18.03.2010

Hauptstadtregion Schweiz: Eine Chance für den Kanton Bern oder eher ein Papiertiger?

Seit dem letzten Sommer taucht in Diskussionen immer häufiger ein neuer Begriff auf: “Hauptstadtregion Schweiz”. Unter diesem Dach sollen u.a. die Kantone Bern, Fribourg, Solothurn, Neuenburg und Wallis, aber auch Städte zusammenarbeiten. Als Vision ist formuliert, dass die Hauptstadtregion Schweiz als nationales Zentrum für Politik und Verwaltung inkl. den Service-Public-Unternehmen usw. auftritt.

Derzeit wird das Projekt vom Kanton und der Stadt Bern vorangetrieben. In einer zweiten Phase soll die Trägerschaft erweitert werden. Die Hauptstadtregion Schweiz ist die Reaktion von Stadt und Kanton Bern auf das Konzept des Bundesamt für Raumplanung (ARE), das in der Schweiz nur drei Metropolitanräume vorsieht: Zürich, Basel und Arc Lémanique (Genf-Lausanne).

Die grosse und heterogene Region zwischen Fribourg und Grenchen, zwischen Chasseral und Brienzer Rothorn soll revitalisiert werden. Gelingt das nicht, dürfte sie in den nächsten Jahrzehnten weiter an Bedeutung verlieren, weil: Dynamik ist vor allem in den drei Metropolitanräumen zu erwarten.

Die Diskussion über die Hauptstadtregion Schweiz sollte auch von einer breiteren Bevölkerungsschicht geführt werden. Das Wahlbistro eignet sich vermutlich dafür, einen Anfang zu machen – losgelöst vom Wahlkampflärm.

Was braucht es, um die nötige Dynamik für die Hauptstadtregion Schweiz auszulösen? Wie lassen sich die verschiedenen Interessen dieser Region bündeln, wie Ressentiments und “Gärtlidenken” abbauen? Welche Bedeutung haben in der heutigen Zeit Gemeinde- und Kantonsgrenzen? Was gehört zu einem überzeugenden Projekt, das alle Akteure mobilisiert, ja elektrisiert?

Ideen sind gefragt – ein Brainstorming im virtuellen Raum. Wer macht den Anfang?

Hintergrund-Artikel aus dem “Zeitpunkt”-Dossier der  “Berner Zeitung”:

- Washingtons Lektion für Bern (13. März 2010)
- “Es liegt an Bern, die Chance zu packen” (9. Januar 2010)
- Claude Longchamp: Mein Weg zur Metro-Region Bern (29. Mai 2009)
- Paul Messerli: “Es wäre besser, Bern würde die Hausaufgaben machen” (29. April 2009)

Link: Verein Bern NEU gründen

Bislang 38 Beiträge, die Debatte geht weiter.



Letzte Kommentare

Ich finde es grossartig, dass hier ein Thema angerissen wird, welches losgelöst ist vom Wahlkampf. Das sorgt für Abwechslung und nicht zuletzt bringen wir es vielleicht zustande, ein paar interessante Gedanken zusammenzutragen.

Die Frage wurde schon aufgeworfen: Welche Bedeutung haben heutzutage Gemeinde- und Kantonsgrenzen noch? Tatsache ist doch, dass die Wirtschafts- und Kulturräume zum Teil komplett anders gewachsen sind. Die herkömmlichen Grenzen haben für mich etwas verstaubtes und technisches.

Entscheidend ist, dass ich mich in der Region, in der ich mich privat und beruflich bewege, wohl fühle, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, dass ein guter Mix von Arbeit und Erholungsraum vorhanden ist usw.

Ich bin sehr gespannt, was die Hauptstadtregion Schweiz bringt und kann Politik und Wirtschaft nur ermuntern, mutig zu sein.

Als Bürger einer Agglomerationsgemeinde fühle ich mich als Stadt-Berner und es fällt mir schwer, zwischen den Interessen meiner Wohngemeinde und jenen der Hauptstadtregion zu unterscheiden. Vor allem weil ich stark von den Angeboten der Stadt profitiere, mehr als was der Finanzausgleich vermuten lässt.

Es scheint mir selbstverständlich, dass die Zusammenarbeit viel enger wird. Wirtschaftliche Attraktivität erreichen wir nicht, wenn die Gemeinden sich gegenseitig Firmen abzujagen versuchen.

Ich freue mich auf die Fusion der gesamten Agglomeration zu einer einzigen Gemeinde. Individuelle Steuerinteressen sind aus meiner Sicht kein Argument gegenüber all der Vorteile eines Zusammengehens. Das Politzentrum Bern hat ein grosses Potenzial, aber nicht als Mosaik von Gemeindeindividualisten.

Gemeinsame Erlebnisse verbinden!

Wie wäre es mit einer Expo, welche nach einem bestimmten Turnus in einer anderen Region stattfindet und dabei vor allem die bis anhin unbekannten «Trümpfe» dieser Region ins Zentrum stellt, um so auch die Vielseitigkeit der gesamten Region aufzuzeigen?

Die Hauptstadtregion Schweiz ist mehr also einfach nur die Region der Hauptstadt.

In unserer Region werden zwar politisch die Rahmenbedingungen ausgehandelt, welche unser Land wirtschaftlich so erfolgreich werden liessen. Dies ist bestimmt eine wichtige Funktion.

Aber: In unserer gemeinsamen Region sind zudem innovative Wirtschaftszweige angesiedelt; zudem ist die Lebensqualität enorm hoch.

Wir sind froh, dass wir mit unseren Nachbarkantonen Freiburg, Solothurn, Neuenburg und Wallis und vielen Städten eine gute Basis gefunden haben, um für diese Region im Herzen der Schweiz eine gemeinsame Identität, eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Das Ziel dabei: Das Wertschöpfungssystem der Hauptstadtregion noch besser zu nutzen.

Auch ich kann der Idee einer Hauptstadtregion einiges abgewinnen. In gewissen Bereichen (z. B. Raumplanung) machen grössere Betrachtungs- und Planungsräume sicher Sinn.

Trotzdem, denke ich, sollte man genau abklären, wo es Sinn macht und wo nicht. Ich denke ein Zusammenlegung aus Euphorie ist fehl am Platz. Denn je grossräumiger die Massstäbe sind, desto weiter weg von den Bürgerinnen und Bürgern sind sie und eine Identifikation damit wird meiner Meinung nach schwieriger.

Wir haben in der Schweiz eine Tradition des Mitwirkens im Gemeinwesen (Vereine, politische Ämter…), eine hohe Steuermoral usw. Daher denke ich, wir setzen auch einiges aufs Spiel.

Die Hauptstadtregion kann und muss sich als politisches und verwaltungstechnisches Kompetenzzentrum der Schweiz positionieren.

Zentral für die ganze Schweiz sind dabei die Brückenfunktion sowie die Vielsprachigkeit der Verwaltung- und Diplomatenstadt Bern sowie der zweisprachigen Städte und Kantone.

Was es nun noch braucht, ist eine gemeinsame Identität sowie die breite Unterstützung der Bevölkerung. Zurzeit laufen viele Aktivitäten. Unter anderem wurde im August letzten Jahres auf dem Gurten der Verein “Bern neu gründen” aus der Taufe gehoben.

Mir gefällt die Idee von Titus Sprenger. Allerdings dürften diese “expos” nicht gross angerichtet werden, sonst ist das Hickhack perfekt.

Klein und fein und dezentral, wäre einfacher, kostengünstiger und zeitlich auch früher möglich. Leidenswege wie bei der expo.01 bzw. .02 sollte es nicht noch einmal geben.

Der Schwerpunkt müsste auf dem Austausch liegen. Gerade mit dem Involvieren von Schulen und Vereinen wäre hier einiges möglich, um eine gemeinsame Identität zu schaffen.

Das Timing ist nicht schlecht, um dieses Thema weiter zu behandeln.

Heute Morgen wurde bekannt, dass die vier Kantone Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Wallis sowie 15 Städte bereit sind, beim Aufbau der «Hauptstadtregion Schweiz» mitzuarbeiten.

Das Bundesamt für Raumentwicklung hat anlässlich der Konsultation bestätigt, die Hauptstadtregion Schweiz künftig gleichwertig wie die drei Metropolitanräume zu behandeln.

Link: Die Medienmitteilung des Kantons

Diese ersten Rückmeldungen der Kantone und Städte lassen uns hier den Faden weiterspinnen.

@ Sandra Guggisberg

Absolut einverstanden: Klein und fein. Es kann ja auch eine Grillparty am Thunersee sein.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ist das, was in den Ergebnissen der Konsultation so lautet: «In einigen Antworten wird angesichts der Heterogenität des zur Diskussion stehenden Raums auf die Gefahr einer erschwerten gemeinsamen Identität hingewiesen.»

Einheit in der Vielfalt analog Bundesverfassung: Ja! Aber es braucht auch etwas (Neues), das verbindet. Und das sollten nicht (nur) Abhängigkeiten im wirtschaftlichen, schulischen, energiepolitischen u. ä. Bereich durch eine mögliche Kompetenz-Verteilung sein. Es sollte auch eine emotionale Bindung entstehen. Das scheint mir die beste Triebfeder für ein gemeinsames Wirken zu sein.

Der Wille, Bern besser zu positionieren und seine besondere Bedeutung als Nervenzentrum der politischen Schweiz zur Geltung zu bringen, wird über alle Parteigrenzen hinweg von allen getragen, denen unser Kanton und seine Hauptstadt am Herzen liegt.

Die Absicht, das umliegende Kantons- und Städtenetz in diese Bemühungen einzubinden, ein Gegengewicht zu den Metropolitanräumen zu schaffen, verdient uneingeschränkte Unterstützung.

Drei Wünsche habe ich: Zum einen wünsche ich mir, dass unsere Behörden die anderen Kantone und Städte als Partner, nicht als blosse Zudiener, betrachten und entsprechend pfleglich behandeln.
Zum zweiten wünsche ich mir für die Hauptstadtregion eine starkes Zentrum, gebildet durch die Kernstadt und ihre Agglomerationsgemeinden. Dieses Ziel verfolgt der junge Verein “Bern neu gründen”, und deshalb wünsche ich, dies mein dritter Wunsch, dem Verein viele zusätzliche Mitglieder!

Alles schöne Worte: Bern besser positionieren, gemeinsame Erlebnisse (Grillparty am Thunersee, Expo), Gegengewicht zu den Metropolitanräumen … schön wär’s, super klingt’s, bringt uns aber nicht weiter, so lange der Kanton seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Immerhin wurde erkannt, dass wir keine Wirtschaftsregion sind (darum auch das Siechtum von Expace Mittelland). “Hautpstadtzentrum” liegt auf der Hand, denn die stärksten Branchen in Bern sind die öffentliche Hand und die Landwirtschaft.

Nennen wird das Kind doch beim Namen: “Verwaltungsregion”.

Damit stärken wir aber die Wirtschaftskraft Berns nicht. Die Basis fehlt. Der Kanton muss attrativer für die Generationen (20-55-jährig) werden, die die “Hauptstadtregion” verlassen: tiefere, familienfreundliche Steuern, gute Rahmenbedingungen unternehmerisch aktiv zu werden, gute Bildungsmöglichkeiten etc.

Es bleibt viel zu tun.

Damit alle Gäste einen ähnlichen Stand über die gestrige Medienkonferenz von Stadt und Kanton Bern erlangen:

- “Bund”: Fast alle wollen beim Projekt mitmachen
- “Berner Zeitung”: Bern als Hauptstadtregion
- NZZ: Der Grossraum Bern schaut nach Washington
- NZZ Kommentar: Berns einzige Chance

Was den Kanton definitiv nicht weiterbringt, ist das miesepetrige Gejammer von Susanne Bommeli.

Klar: Als Bundes- und Kantonshauptstadt ist die Region Bern von der Verwaltung geprägt. Na und? Gibt es anderswo Hauptstädte, wo dies nicht der Fall ist? Washington zeigt auf, dass sich aus dieser Qualität viel machen lässt. Zudem: Wir sollten uns nicht dem Irrglauben hingeben, dass das blinde Kopieren von Eigenschaften des Zürcher Wirtschaftsraums zwangsläufig zum Erfolg führt. Die unique selling proposition von Bern ist der Status als Hauptstadtregion. Das sollten wir ausspielen – nicht schlechtreden.

Wichtig ist, dass der Raum Bern das Netz mit den ihn umgebenden Städten enger knüpft. Und die Region soll ihre Strategie gezielt auf ihre Eigenheiten und Stärken ausrichten. Das Projekt „Hauptstadtregion Schweiz“ und der Verein „Bern neu gründen“ verdienen Unterstützung.

Erlaube mir,den Beitrag von Susanne Bommeli gut zu heissen.

Da wurde wieder einmal unter striktem Ausschluss der Bürger eine Sache ausgeheckt, von einer verschwiegenen Gruppe von Politikern. Und schon wird uns weis gemacht, dass alle erwünschten Kantone hoch begeistert sind von dieser Idee. Kantone bestehen nicht nur aus Politikern, nein, da gibt es auch noch Stimmbürger.

@ Daniela Hauser

Losgelöst vom Wahlkampf ist diese Debatte nicht. Warum wohl ist dies eine Debatte im Wahlbistro? Sie rufen Politik und Wirtschaft auf, mutig zu sein. Auch da ist in erster Linie der Stimmbürger gefragt. Leider wird dies immer mehr, so gut wie möglich, umschifft. Ich fühle mich nicht unwohl in der Situation, die jetzt noch ist.

Mir ist aufgefallen, von welcher Parteicouleur die ersten Beiträge stammen, dies verheisst nichts Gutes. Machen wir erst Ordnung in der eigenen Stadt und dem Kanton. Die Unterschiede sind gross.

Mit “Hauptstadt-Region Schweiz” soll ein echter Kontrapunkt zu den “Metropolitanräumen” markiert werden. Die Region Bern eifert damit nicht mehr einem unerreichbaren Ziel hinten nach, sondern besinnt sich auf eigene Stärken und Kräfte – und entwickelt diese
innert nützlicher Frist.

Im Gegensatz zu gewissen bürgerlichen Meckerern finde ich das eine positive, zukunftsweisende Strategie.

Klar, die Verwaltung nimmt einen grossen Platz ein – wo denn sonst, wenn nicht am Ort der Kantons- und Landesregierung?
Daneben könnten wir uns aber sicher verbessern im Bereich Bildung – als Politik- und Innovationszentrum – vor allem auch im Verbund mit den angrenzenden Kantonen, welche ihr Interesse bereits angemeldet haben.

Die Parteicouleur-Frage ist bloss ein bremsendes Ablenkungsmanöver. Innovative, kluge, nachhaltig denkende Köpfe sind da gefragt, gepaart mit unkomplizierter Zusammenarbeit!

@Blaise Kropf
Was Sie im ersten Satz Frau Bommeli persönlich vorwerfen, ist auf eine Ihnen unliebsame Parteiperson gemünzt, die nicht Ihrer Partei entspricht. Sie erlaubte sich zu schreiben, was Ihre persönliche Sichtweise ist.

@Elisabeth Bregulla-Schafroth

Die bürgerlichen Meckerer, die Sie anprangern, vertreten nur die Sicht der Dinge mit gleichem Recht, wie Sie Ihre Ansicht vertreten.

Ich fühle mich durch Ihren Angriff nicht persönlich beleidigt. Bin ja nicht der Einzige, der nicht so denkt wie Sie.

Setzen Sie sich – und Gleichgesinnte – für Ihre Ueberzeugung ein. Wir auf unserer Seite tun dies ja auch. Schlussendlich werden die Stimmbürger der dafür vorgesehenen Kantone ja oder nein sagen, ob Sie einer “Hauptstadt Region Bern”, von Bern aus gesteuert, zustimmen werden oder nicht.

Der Entscheid der Stimmenden wird dann hoffentlich nicht wieder vor irgendein Gericht gezogen.

Ich erachte es als wichtigen (Zwischen-) Erfolg, dass es der Region Bern gelungen ist, sich als Hauptstadtregion zu positionieren. Stadt und Kanton Bern haben da gute Arbeit geleistet. Damit ist es gelungen, eine Gleichwertigkeit mit den drei Metropolitanregionen in der Schweiz zu erreichen.

Wie Georg Tobler vom ARE ausgeführt hat, ist die neuerkorene Hautpstadtregion nun aber gefordert, den Tatbeweis für ihre neue Bedeutung zu erbringen. Das erfordert auch eine Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg.

Ich kann diesbezüglich Christoph Stalder nur unterstützen, der eine enge Zusammenarbeit zwischen Kernstadt und Agglomeration fordert. Schade, dass Susanne Bommeli diese Chance nicht sieht bzw. nicht sehen will und stattdessen schon wieder “zu viel Verwaltung” wittert.

Es braucht die Hauptstadtregion. Dies umso mehr sich die Metropolitanregionen Zürich, Basel und Genf/Lausanne konkretisieren und gestärkt auftreten.

Die Diskussion um den Ausbau des Bahnhofes Bern zeigen es deutlich: Bern hat in (Bundes-)Bern keine Lobby. In Zürich reiht sich ein Bahnhofausbau an den anderen, in Bern wird jedes und alles hinterfragt und verzögert.

Die Hauptstadtregion kann und muss deshalb auf die berechtigten Anliegen dieser Region aufmerksam machen und diesen mit starker Stimme zum Durchbruch verhelfen. Bern kann davon nur profitieren. Die Standortattraktivität wird dadurch gestärkt, etwas was Frau Bommeli ja eigentlich nur recht sein sollte!

Sehen wir die Hauptstadtregion also als grosse Chance. Für die Stadt Bern, den Kanton Bern und die ganze Region. Verpassen wir nicht diese Chance zu nutzen!

Marco Robertini, ich wundere mich Tag für Tag mehr, was der Grund sein könnte, wieso Frau Susanne Bommeli durch Sie und Blaise Kropf, persönlich, jedoch sehr human auf die Idee der Hauptstadt Region eingeschworen werden soll.

Auf meine Beiträge gehen Sie in keiner Weise ein, obwohl Sie meiner Meinung sicher sehr viel mehr entgegensetzen könnten. Natürlich kann ich dies nicht von Ihnen verlangen. Nur die dannzumaligen Stimmbürger könnte dies schon heute sehr interessieren.

Die Bundesstadt und Kanton Bern haben wohl etwas ganz falsch gemacht, dass wir keine Metropolitanregion geworden sind

Der Bahnhofumbau in Bern wird vielmehr der Bund an die Hand nehmen müssen. Auch ich bin dafür, dass da etwas geht.

Nur für was braucht es da eine Lobby durch drei zugewandte Kantone. Wenn Sie auf Unterstützung dieses Konstrukt warten, müssen Sie in dieser Sache sicher noch lange warten, leider.

Seit einiger Zeit wird von der Hauptstadtregion Bern gesprochen. Aber was soll das heissen. Einzig das Bundeshaus kennzeichnet Bern als Bundeshauptstadt für die Schweizer Bevölkerung.
Würde es Bern nicht anstehen ein repräsentatives vielseitiges Kulturgebäude in zentraler Lage der Innenstadt mit nationaler Ausstrahlung zu besitzen.
Meine Vision möchte ich euch daher gerne kurz vorstellen. Stellt euch nun die Schützenmatte vor, heute mit Bussen und Autos, darüber die Eisenbahnbrücke, links der Bahnhof, rechts offen zur Aare und der Lorraine Brücke. Im Rücken das Bollwerk und vor uns zwischen den Säulen der Eisenbahnbrücke die Reithalle.

Nun wächst vor euren Augen ein Gebäude in die Höhe, vielleicht was mit einem Wellendach, nach links zum Bahnhof und nach rechts zur Aare offen- ein kleiner Platz beidseits-, dort stehen Leute, die auf ihre Freunde warten, auf der anderen Seite eilen Menschen vom Zug in Richtung des Gebäudeeingangs. Auf der Rückseite des Gebäudes zur Reithalle ist ein offener Platz, der die „etablierte Kunst“ mit der „alternativen Szene“ verbindet, dieser Bereich ist unter der Brücke. Wettergeschützt bietet er Raum für Inspirationen. Dort gibt es auch eine Zufahrt für die Bühnenelemente und die Ausstattung beider Häuser. Das Neue Schweizer Kulturhaus bietet Raum für Oper, Konzerte und grössere Produktionen. Es verfügt über ein festes Ensemble und eine moderne Bühnentechnik.
Das Berner Stadttheater wird zu einem Café mit leckeren Kuchen, Pralinées und der Duft von Schokolade und frischem Kaffee zieht durch die Räume. Vielleicht findet jährlich ein Weihnachtsmärchen im alten ehrwürdigen Theater seinen Platz, oder eine Kinopremière, ein Kongress, eine besondere Lesung, eine Plattentaufe.

Die Idee eines Städtenetzes ist es auch, dass die beteiligten Städte verkehrstechnisch relativ gut miteinander vernetzt sind. Dazu sind direkte Verbindungen sicher nicht realistisch. Aber wenigstens einen gut abgestimmten Fahrplan via Bern sollte drin liegen.

Dem ist heute nur teilweise so und der Grund dafür liegt auch in den Kapazitätsgrenzen des Bahnhofs Bern.

Wenn den umliegenden Städten (ich würde es nicht alleine auf die Kantone beschränken) etwas an der verkehrstechnischen Vernetzung liegt, dann dürften sie schon auch Partei für den Ausbau des Bahnhofs Bern ergreifen.

Es ist doch offensichtlich, dass ich Frau Bommeli und andere auf die Hauptstadtregion “einschwören” möchte, da ich es eine gute Sache finde. Einen anderen Grund gibt es nicht.

Ich stimme anderen Beiträgen zu, dass es bedauerlich ist, dass es die Region Bern nicht geschafft hat, als Metropolitanregion zu gelten. Dieser Kampf ist aber unterdessen verloren und es gilt zu retten, was noch zu retten ist.

Andere Wahlbistro-Gäste halten das Konstrukt der Haupstadtregion für eine nutzlose Ausgeburt der Politik. Ich dagegen sehe es als Chance, die Attraktivität und das Gewicht unserer Region zu stärken.

Die umliegenden Kantone haben in verschiedenen Bereichen gleiche Interessen wie Bern (z.B. auch beim Bahnhofausbau). Ein gemeinsames Auftreten stärkt deshalb die Position aller. Nur so können in Bundesbern die Anliegen durchgebracht werden. Davon bin ich überzeugt! Ein Versuch ist es jedenfalls wert, oder?

Hauptstadtregion bis heute: kein neuer Arbeitsplatz, keine Neuansiedlung von Firmen. Nur viel Papier und blabla. Der Traum der Gleichmacherei wird Bern nichts nützen.

Das Projekt Hauptstadtregion Schweiz ist eine Chance, die Zusammenarbeit zwischen den Städten und Kantonen rund um die Hauptstadt zum gegenseitigen Nutzen zu verbessern, um damit die gemeinsamen Interessen auf Bundesebene besser durchsetzen zu können.

Parallel dazu muss auch die Zusammenarbeit der Gemeinden in der Agglomeration / Hauptstadtregion Bern verbessert werden. Die Voten von Frau Bommeli und Herr Rohner zeigen, dass die Bereitschaft dazu leider noch nicht überall vorhanden ist.

@ Daniela Lutz
Wer finanziert Ihre wunderschönen Visionen? Die Stadt, die Agglo über den alles seelig machenden FILAG oder der Kanton? Ein Mäzen? Ich wünsche Ihnen viel Glück, die öffentliche Hand hat dringendere Aufgaben.

@ Blaise Kropf etc.
Danke für all die Aufmerksamkeit, in der ich mich sonne. Ich bin keine “Miesepetra”, war ich nie. Ich bin eine Realistin, die langsam aber sicher resigniert hat. Und ich bin Steuerzahlerin. Ich liebe unseren Kanton, er ist wunderschön. Aber mit einer Hauptstadtregion lösen wir keine Probleme, solange die Hausaufgaben nicht gemacht sind. Es ist eine hilflose Reaktion auf die Metropolitan-Regionen. Brauchen wir das?

Zu “Bern neu gründen”: Nachgewiesenermassen arbeiten die Gemeinwesen mit 4′000 – 10′000 Einwohner am effizientesten, bürgernah und nachhaltig. Denn dort gilt noch: “wer bezahlt, befiehlt” und “wer bestellt, bezahlt”.

@ Paul Rohner
Danke!

@Thomas Fuchs

Stimmt! Bis heute! Das ist aber auch kein Wunder, steckt die Idee der Hauptstadtregion doch erst in den Kinderschuhen. Leider wird sie auch nicht darüberhinaus kommen, wenn man das Projekt schon versenkt, bevor man überhaupt begonnen hat es umzusetzen! Fakt ist jedoch, dass uns die Ablehnung der Idee der Haupstadtregion Bern ebenfalls keinen Schrit vorwärts bringt und uns selbst der Chance dazu berauben würde.

@Susanne Bommeli

Ich stimme mindestens teilweise mit Ihnen überein. Packen wir also die Hausaufgaben an und bauen erst die Schulden ab bevor wir die Steuern weiter senken.
Es stimmt auch, dass der Zug “Metropolitanregion” für Bern abgefahren ist. Schade. Aber mir ist die Option “Hauptstadtregion” trotzdem noch viel lieber als einfach den Kopf in den Sand zu stecken!

Eine Hauptstadtregion ist kein Fakt, sondern eine Vision. Es geht um ein Lebensgefühl. Entstanden aus der Abwertung gegenüber den Metropolitan-Regionen. Wenn die Menschen, die in einer Hauptstadt leben, nicht einmal wissen und spüren, dass dies die Hauptstadt der Schweiz sein soll und nicht die Hauptverwaltungsstadt der Schweiz, dann muss Mann und Frau sich nicht wundern, wenn die Stadt als langweilig und verstaubt gilt. Vielleicht haben die Schreibenden hier keine Lust auf ein lebendiges, innovatives, kreatives Zentrum.

@ Thomas Fuchs

Arbeitsplätze entstehen da, wo Kreativität und Raum für Innovationen vorhanden sind.

@ Susanne Bommeli

In meiner Schulzeit lösten sich die Hausaufgaben immer leichter, wenn man zu zweit, zu dritt oder zu viert war, weil man vom Wissen und der Erfahrung der anderen profitieren konnte.

Warum soll das nicht auch für die vier beteiligten Kantone gelten, die übrigens alle (und nicht nur etwa der Kanton Bern) Hausaufgaben zu lösen haben?

Worum geht es, und worum geht es nicht? Es geht nicht darum, Zürich zu imitieren, Bern zu einem Industriezentrum oder zu einem neuen Bankenplatz zu mutieren.

Aber es geht unter anderem darum, die vorhandenen Stärken und Möglichkeiten zu nutzen und auszubauen, den ansässigen Unternehmungen – auch der öffentlichen Hand! – beste Rahmenbedingungen zu bieten und sie nicht kleinlich bürokratisch zu bremsen, bei Ausbauplänen und Neuansiedlungen regional zu denken, die Pendlerströme besser zu bewältigen, als Diplomaten- und Kongressstadt weiterhin einen betriebsfähigen Flughafen anzubieten, das Kulturangebot attraktiv zu bündeln und zu vermarkten, etwas mehr über den eigenen Nasenspitz hinaus zu blicken und nicht bloss das eigene enge Gärtchen zu verteidigen.

Mit der Einführung der Regionalkonferenz wurden die demokratischen Grundstrukturen geschaffen, um regional rund um Bern vernetzt zu denken. Dennoch habe ich meine Zweifel, dass es gelingt, auf politischem Weg an der Position von Bern oder der Raumentwicklung etwas zu ändern.

Denken wir nur schon an den Flughafen oder das Kulturangebot. Der Flughafen kämpft immer wieder um seine Daseinsberechtigung angesichts der Kritik gegenüber den Emissionen. Beim Kulturangebot wiederum stossen sich immer mehr Leute an den Kosten, insbesondere angesichts der Tatsache, dass das Stadttheater ein wenig ansprechendes Angebot bietet. Da ist man doch schnell in Zürich oder Mailand und kann das geniessen, was einem entspricht. Ich frage mich daher: Macht es Sinn, Ressourcen für Planungen zu verschwenden, die niemand will?

Zur Idee der Hauptstadtregion Bern gibt es keine Alternative. Ansonsten geht die Region Bern bzw. der Espace Mittelland zwischen den Metropolitanräumen unter.

Untergehen? Wieso? Hauptstadt ist Hauptstadt und Bern täte gut daran, für mehr Sicherheit und Sauberkeit zu sorgen, dann ergäbe sich der Rest von selbst. Die Hauptstädte der Welt sind alles keine Metropolen. Ausser sie sind es aus historisch-kulturellen Gründen wie London und Paris. Bern braucht nicht zu versuchen, mehr zu sein als es ist, aber das, was es einmal war, sollte es wieder werden: eine gepflegte, bürgerliche Stadt.

@ Aliki Panayides

Als ich das letzte Mal auf die Weltkarte blickte, waren fast alle Haupstädte auch Metropolen. Ob aus rein historisch-kulturellen Gründen oder nicht sei dahingestellt.

Geradezu befremdend finde ich Ihre Aussage, dass man für kulturelle Angebote ja sowieso besser nach Zürich oder Mailand fahre. Ich will aber nicht nach Zürich oder Mailand, um zu geniessen, was mir entspricht! Mir entspricht Bern und ich möchte das auch hier geniessen können! Sonst kann ich ja gleich nach Zürich, Mailand, London oder Paris umziehen! Abgesehen davon können sich solche kurzen Vergnügungsreisen viele Leute gar nicht leisten (ich im Übrigen auch nicht)!

Zudem verstehe ich nicht, wie Sie auf kantonaler Ebene Regionalkonferenzen unterstützen, gleichzeitig aber dem analogen Projekt auf der Stufe Bund (Hauptstadtregion) Ihre Gefolgschaft verweigern können. Das ist ein völliger Widerspruch!

@Marco Robertini

Sie haben mich falsch verstanden bezüglich Regionalkonferenzen: Ich habe die Idee nicht befürwortet, da ich der Auffassung bin, die heutigen drei demokratischen Ebenen, Gemeinde, Kanton und Bund, genügen. Was immer wächst, muss von den Menschen auch gewollt sein und nicht von einigen wenigen diktiert.

Und was das sich leisten können anbelangt, ist es wohl wie beim Staatshaushalt eine Frage der Priorisierung der Mittel, denn ich kenne eine Reihe von Menschen, die weniger verdienen als Akademiker und sich solche Eventbesuche leisten.

@Aliki Panayides

Sofern ich mich richtig erinnere, hat das Stimmvolk die Regionalkonferenzen mit grossem Mehr gutgeheissen. Sie wurden also überhaupt nicht von einigen wenigen diktiert, sondern sind in der Bevölkerung breit abgestützt.

Wahrscheinlich setze ich meine Prioritäten tatsächlich anders. Ich gehe jedoch trotzdem davon aus, dass es sich die meisten (inkl. Akademiker wie mir) nicht leisten können, übers Wochenende einfach schnell nach Mailand, Rom oder Paris zu fahren.

Das Schlimme an den auswärtigen Eventbesuchen ist jedoch, dass damit der Konsum und die Wertschöpfung aus der Stadt Bern abfliessen! Mit anderen Worten bringen wir das Geld nach Zürich, London oder New York und unsere Berner Wirtschaft geht leer aus, mit verheerenden Auswirkungen!

Viel besser ist es doch, die Attraktivität von Bern zu erhöhen, damit wir unser Geld nicht in anderen Städten ausgeben müssen!

Erlauben Sie mir nur noch eine schmunzelnde Replik: Vielleicht planen Akademiker wie Sie und ich eben zu oft mit der grossen Kelle. Um ein Event in London, Zürich oder Mailand zu besuchen, braucht es kein Wochenende in diesen Städten, es genügt hinzufahren, das Event zu geniessen und wieder zurückzufahren. Ist zwar ermüdend, kostet aber weniger.

Dann erlaube ich mir eine kurze Duplik:

Sinnvoller macht die Eventreise auch ihre Kürze nicht. Das Geld fehlt der lokalen Wirtschaft nach wie vor und die Umweltbelastung durch die langen Fahrten ist horrend.

Hier im Übrigen noch ein Tipp:
Wer mit dem ÖV reist, kommt viel weniger ermüdet an und zurück!

Kategorien